Integrationspolitik in Grossbritannien

Grossbritannien gehört zu den Ländern Europas mit einer weit zurückreichenden Tradition, Einwanderer in das nationale Gefüge zu integrieren. Das britische Imperium durfte früh lernen, dass es seinen Untertanen in überseeischen Besitzungen nicht nur die Segnungen der britischen Lebensweise vermitteln sondern im Gegenzug zumindest den Eliten der Kolonien ein Leben in England ermöglichen musste. Dies geschah auf typisch britische Weise, indem zunächst die britische Lebensart und die englische Sprache als Amtssprache im Kolonialreich eingeführt wurden und die so "anglisierten" Untertanen in englischen Einrichtungen (Schulen, Universitäten und vor allem auch im Militär) im Mutterland vollends zu gebildeten Engländern erzogen wurden. Religiöse Toleranz gegenüber Einwanderern, die mit dem Leben nach den Regeln der britischen Kultur bereits im Heimatland vertraut gemacht worden waren, war für die Briten eine Selbstverständlichkeit.

Die Vielfalt der Kolonien mit ihren unterschiedlichen Menschen bildete sich seit dem 19. Jahrhundert in Grossbritannien ab, indem immer mehr britische Bürger anderer Hautfarbe aus Indien, Afrika, der Karibik und aus Hongkong nach England einreisten und dort (zuerst und vor allem in London) zum Bestandteil des Straßenbildes wurden. Das Problem der Einbürgerung gab es aufgrund der Besonderheiten des „Commonwealth“, in dem das britische Bürgerrecht allen zusteht, nicht. Auch war die Migration aus den Kolonien nach dem Zweiten Weltkrieg aufgrund des Arbeitskräftemangels aus Sicht der britischen Regierung durchaus erwünscht.

Daher besitzen heute weit über 3 Millionen in Großbritannien ansässige Briten aufgrund ihrer afrikanischen, indischen, karibischen oder chinesischen Herkunft einen "Migrationshintergrund", wobei der weitaus größte Teil davon bereits in Großbritannien geboren wurde. In Grossbritannien wurde die Politik des "Multikulturalismus" ("Multikulti") über Jahrzehnte zur gefestigten Grundlage staatlicher Politik im Umgang mit Einwanderern. Dies verändert sich, seit aufgrund der staatlichen Wohnungsbewirtschaftung mehr und mehr Einwanderergruppen in Zentrumsnähe der Großstädte zusammenleben, so dass es gelegentlich zu rassistisch motivierten Auseinandersetzungen kommt. Insgesamt ist die Vielfalt der Einwanderer und ihrer Organisationen in Grossbritannien gut vernetzt, in der Öffentlichkeit präsent und auch in den politischen Gremien gut vertreten.