Integrationspolitik in Belgien

Die gemeinschaftliche Integrationspolitik der Europäischen Union versucht den Anforderungen der modernen Gesellschaften, die zunehmend durch Mobilität und demographische Änderungen geprägt sind, gerecht zu werden. Ihre Inhalte sind in zahlreichen Rechtsakten wie dem Europäischen Gemeinschaftsvertrag oder dem „Haager Programm zur Stärkung von Freiheit, Sicherheit und Recht in der Europäischen Union" (2005) verankert. Demnach bemüht sich die Integrationspolitik im Hinblick auf die Grundwerte der Europäischen Union und die Grundrechte aller Menschen um die Gewährleistung eines wechselseitigen integrativen Prozesses, der sowohl wirtschaftliche, sozio-kulturelle und politische Beteiligung für Menschen mit Migrationshintergrund als auch die Wert- und Identitätserhaltung des jeweiligen Aufnahmelandes zum Gegenstand hat.

Belgien entwickelte sich in den letzten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts zu einem Land mit einer hohen Migrationsrate. Die Zahl der legalen Einwanderer beläuft sich momentan auf knapp neun Prozent der Bevölkerung. Dieser Prozentsatz umfasst jedoch nicht die Einwanderer, die sich illegal im Land aufhalten, und belgische Staatsbürger mit Migrationshintergrund. Italiener sind die grösste Einwanderergruppe mit fast 200.000 Menschen, gefolgt von Marokkanern (121.000), Franzosen (107.000), Niederländern (85.000) und Türken (69.000). Damit stammt die Mehrheit der Zuwanderer entgegen der gängigen Meinung aus anderen EU-Ländern und nicht aus so genannten Drittstaaten. Bereits seit Mitte der achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts betreibt die belgische Regierung Integrationspolitik, die sich um die bestmöglichen Integrationsbedingungen in Kultur, Wirtschaft und Gesellschaft des Landes für die Zuwanderer bemüht.

Im Dezember 1980 wurde erstmals ein Gesetz verabschiedet, das die Ein- und Ausreise sowie die Aufenthaltsbestimmungen für Zuwanderer regelte und bis heute in Kraft ist. Der Forcierung der Integrationspolitik sowohl in der Europäischen Union als auch in Belgien in den letzten Jahren beruht auf der Einsicht, dass das Land angesichts demografischer Entwicklungen und des sektoralen Bedarfs an Arbeitskräften in Zukunft auf Zuwanderer angewiesen ist. Dabei engagieren sich in Belgien sowohl private Initiativen (z.B. die Organisation „Center for Equal Opportunities and the Fight Again Racism“) als auch öffentliche Einrichtungen (z.B. „Mentoring Project for Refugee Students“).